Computernutzung ist wahrscheinlich ungünstig für den Lernerfolg von Schülern
Die Forscher am IFO-Institut Thomas Fuchs und Ludger Wößmann können belegen, dass Computernutzung negative Effekte auf das Lernen hat. In ifo-Schnelldienst 18/2005 legen sie dar, dass der von der OECD aufgrund der PISA-Studie gezogene Schluss, Computer- und insbesondere Internetnutzung sei günstig für den Lernerfolg, einen statistischen Artefakt darstellt: Die bivariate Betrachtungsweise “PC-Benutzung zuhause gleich bessere Testergebnisse” lässt den Eindruck aufkommen, hier läge ein kausaler Zusammenhang vor. Das ist aber nicht der Fall. Vielmehr spricht einiges dafür, dass andere Kontrollvariablen, wie etwa die Bildungsschicht und der Beruf der Eltern (Eltern mit höherem Berufsabschluss haben eben häufiger PCs zuhause), entscheidend sind für das statistische Zusammentreffen. Eine multivariate Analyse des PISA-Datensatzes durch die Forscher ergab sogar, dass PC zuhause und insbesondere seine intensive Benutzung zum gegenteiligen Effekt führen. Ursächlich ist das zu erklären mit der – ebenfalls wissenschaftlich gesicherten – Erkenntnis, dass Kinder und Jugendliche so gut wie nie den PC zum Lernen oder zur Internetrecherche verwenden, sondern ganz überwiegend für Computerspiele und allenfalls noch zum Chatten.
Das entspricht auch meinen Erfahrungen im Bereich der Bildungsarbeit (Berufsvorbereitung) mit Jugendlichen: Diese bringen, auch wenn sie zuhause Computer zur Verfügung haben, kaum Medienkompetenz mit, also Basiskompetenzen im Umgang mit der Technik, mit Anwendungsprogrammen und im Umgang mit dem Internet sowie die Fähigkeit, Informationen zielgerichtet zu suchen und zu verarbeiten. Vielmehr liegt oft das alleinige Interesse im Chatten und Computerspielen (natürlich keinen “Lernspielen”!), die ja nun vollkommen kontraproduktiv sind, weil sie vom Lernen ablenken und Zeit kosten und keinerlei Lerneffekt haben – sondern allenfalls ein erhebliches Suchtpotential. Insofern bin ich durchaus der Ansicht, dass Computer in die Schule gehören, dass aber sehr zielgerichtet und auf das Wesentliche beschränkt auf eine Basis-Medienkompetenz hingearbeitet muss, welche dann einen produktiveren Umgang mit PCs auch zuhause zur Folge haben könnte. Keinesfalls kann Computerisierung die gute personelle Ausstattung einer Bildungseinrichtung ersetzen; dass durch E-Learning Lehrerstellen eingespart werden könnten bei gleichzeitiger Verbesserung der Qualität, halte ich für eine gefährliche Illusion, vor der ich nur warnen kann.