Gentech- und Nanotech-Experte Mooney fordert Nanotechnologie Moratorium

Pat Mooney, Gentech- und Nanotech-Experte und Leiter der ETC-Group warnt vor den möglichen Folgen eines nicht gesetzlich bzw. durch internationale Abkommen begrenztes Voranschreitens in der Nanotechnologie. Er fordert deshalb sogar ein Moratorium der Nanotechnologie.

Die möglichen Auswirkungen des Fortschritts in der Nanotechnologie sind vielfältig und sowohl ökologischer, gesundheitlicher wie auch sozio-ökonomischer Natur und schließlich in ihrem Umfang vergleichbar mit anderen technologischen Paradigmenwechseln (wie z.B. Kernspaltung, Gentechnik, Informationstechnik). So könnte z.B. durch den nanotechnischen Nachbau optimierter Baumwolle-Moleküle schon in wenigen Jahren der Anbau von Baumwolle vollkommen überflüsig werden – und damit über 100 Millionen Menschen ihre Erwerbsquelle verlieren. Ähnliches gilt nach Mooney für viele andere natürliche Rohstoffe. Es sei so, meint Mooney in einem Vortrag, der heute auf Radio LORA 92.4 wiedergegeben wurde, wie bei allen neu eingeführten Technologien: In einer von Ungleichheit bestimmten Welt werden dadurch immer die Besitzenden reicher und die Armen ärmer.
Weiter könnten die nanotechnologisch hergestellten Stoffe patentiert werden mit ähnlichen Konsequenzen, wie ich es in meiner Anmerkung zu “Order 81″ dargestellt habe.

Eine besonderes Risiko stellt nach Mooney die Konvergenz von Nano- Bio- und Gentechnologie dar; so könnten sich selbst reproduzierende DNA-Moleküle nanotechnisch “gebaut” werden. Es ist in keiner Weise geklärt, wie sich solche “Organismen” verhalten, wenn sie einmal begonnen haben, sich selbst zu reproduzieren.

Die Nanotechnologie ist das derzeit mit den größten Summen staatlich geförderte Gebiet der Grundlagenforschung. Gleizeitig befinden sich die Verantwortlichen in der Politik auf einem Kenntnisstand von vor ca. 5 Jahren. Eine Risikofolgeneinschätzung wird nicht getroffen; es herrscht eine unkritische Euphorie – wie in der Frühzeit der Kerntechnologie.

Bis international bindende Richtlinien für die Anwendung der Nanotechnologie zur Geltung gebracht sind, forderte Pat Mooney schon 2002 ein Moratorium der Nanotechnologie. Im November 2004 wiederholte Mooney die Forderung hinsichtlich der experimentellen Entwicklung von synthetischem biologischem Material, bis die Gesellschaft sich an der Diskussion der gesundheitlichen, ökologischen und sozioökonomischen Implikationen beteiligen kann.

Der Widerstand gegen solch ungebremste und damit gefährliche Entwicklung (dass Nanotechnologie auch segensreich wirken kann, sei hier nicht bestritten) kann nur von den Menschen Selbst ausgehen – und er muss letztendlich nach Mooney eine spirituelle Basis haben. Mooney appelliert in seinem Vortrag – überraschend für einen Naturwissenschaftlier – an eine Theologie der Befreiung. Ich kann ihm da nur zustimmen

Entscheidend ist aus meiner Sicht neben der spirituellen Seite, dass grundsätzlich und unabhängig von religiösen Grundauffassungen als Teil eines grundlegenden Weltethos gelten muss, dass alle von der technologischen Entwicklung Betroffenen – und das sind alle Menschen auf diesem Planeten – in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden müssen, dass also nicht globale Konzerne und Regierungsspitzen selbstherrlich entscheiden.

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