Quarks & Co: „Kostbares Salz“
Hier zunächst ein kurzes Zitat aus der Einleitung des 37-seitigen PDF-Dokuments aus der WDR-Wissenschaftssendereihe “Quarks & Co”, das einfach auf hervorragende und spannende Weise alles wichtige über das Salz enthält – und das ist in keiner Weise trivial! – und auch mit einigen Mythen (z.B. der angeblichen Ursächlichkeit von Salz für Bluthochdruck) aufräumt.
“Für die meisten Menschen ist Salz nichts weiter als ein billiges Gewürzmittel. Doch unser Körper braucht das sprichwörtliche “Salz in der Suppe”: das “Natriumchlorid”. Ohne Kochsalz können weder Mensch noch Tier überleben. Aber zuviel Salz kann auch schädlich sein. Viele industrielle Prozesse und Produkte sind heute ohne Salz nicht denkbar. Quarks & Co sieht sich die weißen Kristalle genauer an und gibt Antwort auf folgende Fragen: Wie viel Salz braucht der Mensch und in welchen Lebensmitteln versteckt es sich? Wie regelt unser Körper den Salzhaushalt? Was ist Salz überhaupt, und wie kam es auf die Erde? Wie wird es gewonnen, wie verarbeitet, und wofür wird es gebraucht? Wie sicher ist atomarer Müll in Salzstöcken?”
Zu dem Thema drängt es mich jedoch auch, eine persönliche Erfahrung wieder zu geben:
Der Mythos “Salz ==> Bluthochdruck” scheint aber fast unausrottbar zu sein, obwohl der salzsensitive Bluthochdruck die große Ausnahme und leicht diagnostizierbar ist und hoher Blutdruck oft über den “Henry-Gauer-Reflex” (Beeinflussung von Vorhofrezeptoren: Der Körper reagiert so auf hohen Blutdruck durch Volumenreduktion, d.h. verstärkte Diurese – ADH-Sekretion – mit erhöhter Natriumausscheidung – ANP-Ausschüttung) zu Kochsalzmangel im Blut (“Hyponatriämie”) führt! Gleichzeitig werden dann auch noch Natriumsenkende Diuretika zur Therapie eingesetzt, was oft zu einem teilweise lebensgefährlichen Natriummangel führt (N <110 mMol)! Ich bin da auch emotional beteiligt, weil ich miterleben musste, wie mein fast 80jähriger Vater vor einem Jahr daran fast verstarb. Ihm wurde ein Thiazid-Präparat gegeben, obwohl der Natriumspiegel schon auf ca. 125 mmol war. Als er wenige Tage später nicht mehr fähig selbständig zu gehen und geistig verwirrt in die Klinik eingeliefert wurde, war der N-Spiegel auf 105 (!) mMol/L. Doch der Befund wurde nicht zur Kenntnis genommen; erst als mein Bruder bei der Visite zwei Tage später den Stationsarzt drängte, die Befunde nochmal durchzugehen, weil mein Vater sonst vollkommen anders sei, in keiner Weise verwirrt, sagte dieser “achja, stimmt, da ist ja der Natriumwert viel zu niedrig…”. Zwei Tage später sagte dann der Oberarzt: “Da sind sie ja dem Tod grade nochmal von der Schaufel gesprungen…” Irgendwie hatte es den Anschein, dass “normal” ausgebildete Ärzte von der Gefahr des Natriummangels keine Ahnung haben; lediglich bei Gerontologen und Intensivmedizinern scheint diese Kenntnis verbreitet zu sein.
Seit dieser Erfahrung habe ich mich mit dem Thema immer wieder beschäftigt und fand heraus, dass die Forschungsergebnisse schon lange auf dem Tisch liegen – nur nicht zur Kenntnis genommen werden, auch folgende Erkenntnisse:
- 30% der nach Sturz in Krankenhäuser eingelieferten alten Menschen leiden unter Hyponatriämie (ein großer Teil davon unter 110 mmol!), die möglicherweise für den Sturz kausal war.
- Geistige Verwirrtheit bei alten Menschen hängt häufig mit Hyponatriämie zusammen; oft ist es verblüffend, wie deutlich und spontan sich der Zustand der alten Menschen nach Gabe von 1 bis zwei Infusionen ändert.
- Keine irgendwie rätselhafte Veränderung im Alter hat mit dem geringen Durstempfinden bei alten Menschen zu tun, sondern Kochsalzmangel im Blut führt zum Wefall des Durstgefühls und dann in der Folge zu Hypovolämie (auch hier ist Verwirrtheit eine typische Folge).
Der Artikel in Quarks & Co fasst das aktuelle Wissen über Kochsalz dankenswerterweise einmal zusammen. Deshalb hier der Link. Vielleicht hilft das, der auch im Internet noch immer vielfach anzutreffenden Meinung, salzarme Ernährung sei gesund, entgegen zu wirken. Das Schlimme daran ist, dass diese Meinung auch auf ausgewiesenen “Ernährungs- und Gesundheitsseiten” immer noch zu finden ist. Aber, wie gesagt, Mythen sind schwer auszurotten (das geht in diesem Fall so weit, dass sogar bei vielen Mineralwässern auf dem Etikett als Werbeargument dick und fett “zur natriumarmen Ernährung geeignet” zu lesen ist). Der Ärger darüber führt bei mir zu Bluthochdruck, sonst nichts!
Insgesamt kann ich www.quarks.de nur empfehlen. Den auch sehr gut recherchierten Artikel zum Stand der Forschung zu Mann und Frau will ich gleich an dieser Stelle empfehlen, weil er mit vielen Vorurteilen und auch solchen – teilweise pseudowissenschaftlich verbreiteten – Mythen aufräumt wie dem, Männer hätten mehr Orientierungssinn, weil ihre Vorfahren Jäger gewesen seien …